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Dasein – Dortsein – Fortsein

Frank Sauer: „Mit Vollgas in die Sackgasse“ beim Köln Comedy-Festival

von Marianne Kolarik

KÖLN –
Er hat tatsächlich brauchbare Antworten auf die drängenden Fragen des Lebens: wie – zum Beispiel – lassen sich die Öffnungszeiten von Ikea eruieren? Wie schnell soll man wohin fahren und was ist das Gegenteil von Effektiviät? Sollte man sich den Ratschlag, etwas langsamer zu machen, damit es schneller geht, zu Herzen nehmen und ist es sinnvoll, Banker als Menschen mit Investitionshintergrund zu  bezeichnen?

Frank Sauer aus Freiburg („das Juwel am Rande des Schwarzwaldes“) legt in seinem neuen Programm „Mit Vollgas in die Sackgasse“ beim Köln Comedy-Festival im Senftöpfchen-Theater die irritierenden bis abstrusen Stellen bloß, mit denen wir bei unserer Selbtsoptimierungs-Kampagne tagtäglich konfrontiert werden.

Sehr lustig wird es, wenn er die ausgefeilten Choreographien zeitgemäßer Fußballspieler nachstellt. Hintersinnig, wenn er so tut, als hätte er den Text zuvor synchronisiert und sich mit dem Techniker zofft. Unfassbar, die Geschichte vom Autokauf („mit Galaxy-Entlüftung!“) und horribel die Beschreibung der vorsätzlichen Keimverbreitung, die dem Arzt eine dauerhafte Kundenbindung garantiert. Zwischendrin streut Sauer (Sprech-) Gesänge ein, gibt einen philosophischen Hiphop zum Besten und scheut nicht vor einer schmachtenden Schlagerparodie („um die Welt schöner zu machen“) zurück.

Der Mann hat nicht nur Standing, sondern auch gute Ideen, die niemanden über- oder unterfordern. So regt er sich – stellvertretend für Jedermann – über die Sternchen auf, mit denen Schnäppchen-Preise häufig versehen sind. Und wer war sich bisher darüber im Klaren, dass der Helene-Fischer-Ohrwurm „Atemlos durch die Nacht“ in Wirklichkeit als eine Hommage an Asthmatiker ist und dass die Kinder von Wackersteinen Kiesel heißen.

All das – und noch viel mehr – bringt der Kabarettist („Rock’n’Roller des Geistes“) mit sympathischer Souveränität zur Sprache, wobei er auch die Fähigkeit besitzt, mit körperlicher Präsenz zu punkten. – Oder um es mit Sauer zu sagen: „Das Leben als Dasein wird schnell zum Dortsein. Und am Ende ist das Dortsein sowieso ein Fortsein. Und deswegen, das ist der Sinn der Überlegung, ist Leben nichts anderes als Fort-Bewegung.“                                                                         liveundlustig/wordpress.com     

 

 

Frank Sauer erwies sich als einer, der mit spitzer Feder die Merkwürdigkeiten des Lebens und der Sprache aufspießt und mit Wortspielen phasenweise an den von ihm bewunderten Heinz Erhardt erinnerte, auch wenn er weniger, dafür aber absichtlich daneben, reimte.              Marbacher Zeitung

 

 

Der nimmt Unterhaltung noch ernst!                                                Badische Zeitung

 

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